Günstigere Produktionsbedingungen bei Auslandsverlagerungen
Im Fokus: Energie- und Rohstoffpreise
Für viele deutsche Unternehmen ist die Auslandsverlagerung nicht nur eine Möglichkeit, Lohnkosten oder Steuern zu senken, sondern auch ein gezielter Schritt, um von günstigeren Produktionsbedingungen zu profitieren. Besonders relevant sind in diesem Zusammenhang niedrigere Energiepreise und kostengünstigere Rohstoffversorgung, die sowohl in europäischen als auch in außereuropäischen Ländern einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen können.
1. Warum Energie- und Rohstoffpreise entscheidend sind
Energie- und Rohstoffkosten machen in vielen Branchen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus – insbesondere in energieintensiven Industrien wie Metallverarbeitung, Chemie, Glasherstellung, Papierproduktion oder Lebensmittelverarbeitung.
In Deutschland zählen steigende Strom- und Gaspreise sowie hohe Abgaben und Umlagen zu den größten Standortnachteilen. Hinzu kommen oft höhere Beschaffungskosten für wichtige Rohstoffe aufgrund von Importabhängigkeiten oder komplexen Lieferketten.
Eine Produktionsverlagerung in Länder mit günstigeren Versorgungsstrukturen kann die Produktionskosten signifikant senken.
2. Niedrigere Energiepreise in europäischen Ländern
Einige europäische Standorte punkten durch eine Kombination aus günstigen Energiequellen, staatlicher Preisregulierung und geringeren Netzentgelten:
Norwegen: Sehr niedrige Strompreise dank umfangreicher Wasserkraftnutzung, stabile Versorgung, politisch sicher.
Island: Extrem günstige Elektrizität durch geothermische Energie, besonders attraktiv für energieintensive Industrien wie Aluminiumproduktion oder Rechenzentren.
Bulgarien & Rumänien: Vergleichsweise günstige Strom- und Gaspreise, EU-Binnenmarkt, niedrige Netzentgelte.
Polen: Wettbewerbsfähige Energiekosten, starke Kohleverstromung, Ausbau erneuerbarer Energien.
3. Kostenvorteile bei Rohstoffen in europäischen Ländern
Neben der Energieversorgung können auch Rohstoffe im europäischen Ausland günstiger sein – etwa durch Nähe zu Abbaugebieten oder weniger Zwischenhändler:
Skandinavien: Günstiger Zugang zu Holz, Metallen und Mineralien.
Spanien & Portugal: Bessere Verfügbarkeit und Preise für bestimmte Agrarrohstoffe (z. B. Olivenöl, Zitrusfrüchte) und industrielle Rohstoffe.
Osteuropa: Nähe zu Metall- und Kohlevorkommen, geringere Logistikkosten für lokale Produktion.
4. Vorteile in außereuropäischen Ländern bei den Energiepreisen
Viele außereuropäische Länder verfügen über eigene, günstige Energieressourcen und können Unternehmen deutlich niedrigere Preise anbieten:
Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Saudi-Arabien: Extrem niedrige Öl- und Gaspreise, oft staatlich subventioniert.
USA: Dank Schiefergas-Boom sehr günstige Gaspreise, besonders in Bundesstaaten wie Texas oder Louisiana.
Kanada: Günstiger Strom aus Wasserkraft, stabile Rohstoffversorgung.
China: Niedrigere Industrie-Strompreise in bestimmten Provinzen, staatliche Unterstützung für Schlüsselindustrien.
5. Vorteile in außereuropäischen Ländern bei den Rohstoffpreisen
In vielen Regionen ist die direkte Nähe zu Rohstoffquellen ein entscheidender Faktor:
Australien: Große Vorkommen an Eisen, Kupfer, Kohle – direkter Zugang senkt Beschaffungskosten.
Brasilien: Rohstoffstark (Eisenerz, Bauxit, Agrarprodukte) und exportorientiert.
Chile & Peru: Führend in der Kupferförderung, günstige Preise bei lokaler Verarbeitung.
Afrika (z. B. Südafrika, DR Kongo): Hohe Rohstoffverfügbarkeit, jedoch oft höhere logistische und politische Risiken.
6. Praxisbeispiel – Kostensenkung durch Energie- und Rohstoffverlagerung
Ein energieintensives Unternehmen aus der Metallverarbeitung kann durch Verlagerung in ein Land mit halbierten Stromkosten und direktem Zugang zu Rohstoffminen nicht nur Energiekosten um bis zu 50 %, sondern auch Transport- und Beschaffungskosten um 20–30 % reduzieren. Dies führt zu einer deutlichen Senkung der Stückkosten und erhöht die Preisflexibilität im Wettbewerb.
7. Risiken und Abwägungen
Trotz klarer Vorteile bei Energie- und Rohstoffpreisen müssen folgende Punkte beachtet werden:
Versorgungssicherheit und Stabilität der Energiepreise
Politische Risiken und mögliche Exportbeschränkungen
Umwelt- und Compliance-Vorgaben
Währungsrisiken bei Rohstoffimporten
Abhängigkeit von staatlichen Subventionen, die entfallen könnten
Zusammenfassend:
Niedrigere Energie- und Rohstoffpreise können eine Auslandsverlagerung oder Produktionsverlagerung besonders für energieintensive Branchen hochattraktiv machen. Länder in Europa wie Norwegen, Island oder Bulgarien bieten günstige und stabile Energieversorgung, während außereuropäische Standorte wie die USA, VAE oder Australien mit direkten Rohstoffzugängen und niedrigen Preisen punkten.
Wer die Vorteile einer Offshoring-Strategie nutzen möchte, sollte jedoch nicht nur den aktuellen Preisvorteil betrachten, sondern auch langfristige Versorgungssicherheit, politische Stabilität und logistische Rahmenbedingungen in die Standortentscheidung einbeziehen.